Liebe Mitglieder, liebe Freunde des CKV Annaberg!                            

                   

„An dieser uralten Kirche kann man die zwei grimmig dreinblickendsten Engel ganz Georgiens entdecken.“ Dieser Hinweis unserer Reiseleiterin war Ansporn genug, sie zu suchen und endlich auch zu finden. Hier sind sie, und schauen sie nicht wirklich böse drein? Und das sollen Engel sein? Was hat sich der Künstler, wenn man ihn in Anbetracht dieser Engel überhaupt so nennen darf, eigentlich dabei gedacht? Engel sind doch freundlich, liebevoll, lieblich, geradezu anheimelnd – einfach nett. Sind sie so, oder gaukelt uns das die Engelindustrie nur vor?                                   

Wenn die Engel die verlängerten Arme Gottes sind, und so beschreibt sie uns die Bibel, dann bringen sie nicht nur die frohe Botschaft, sondern sagen auch das Gericht an. Sie haben also im Blick auf die Welt allen Grund auch böse zu schauen, oder nicht?                         

Aber in der Weihnachtsgeschichte, und um die ging es ja in diesen Tagen, haben sie keinen Grund böse zu blicken. Da ist doch nur Jubel und Freude. Ja schon, im Stall, aber vor der Geburt und auch danach haben da die Engel nicht auch allen Grund so zu gucken wie diese zwei?

„Kein Raum in der Herberge“, so heißt es vor der Geburt „Kein Platz im Land“ so geifert der König Herodes nach der Geburt. Einen milde lächelnden oder überschwenglich jubelnden Engel kann ich mir in diesem Zusammenhang nicht vorstellen.

Und heute, nach diesem Weihnachtsfest und mit Beginn des Neuen Jahres – haben da die Engel keinen Grund böse oder zornig zu gucken?

„Kein Raum in der Herberge!“, „Kein Platz im Land!“ das wird noch immer und oft immer lauter von denen verkündet, die sich anmaßen wollen, das christliche Abendland zu retten und in ihren Äußerungen und auch in ihren Taten an Rassismus und Menschenfeindlichkeit kaum zu überbieten sind.  Und immer noch laufen ihnen viele hinterher oder wählen sie sogar.                                

Papst Franziskus hat den Regierungen im Blick auf die Flüchtlingspolitik gesagt: „Es ist unmenschlich, die Türen zu schließen. Es ist unmenschlich, das Herz zu schließen. Denn auf lange Sicht bezahlt man dafür.“

Wir alle können im Neuen Jahr dazu beitragen, dass die Engel nicht grimmig, sondern freundlich blicken.

Christoph Wolf