Liebe Mitglieder, liebe Freunde des CKV Annaberg!                            

                   

Sommerzeit – Reisezeit.

Eine der für mich beeindruckendsten Reisebegegnungen war vor einigen Jahren der Besuch des Strasbourger Münsters im Elsass. Staunend stand ich vor dem sogenannten Engelspfeiler im Südportal. Typisch für mittelalterliche Kirchen ist die Darstellung des Jüngsten Gerichtes. Angst verbreiten diese Darstellungen. Wer kann vor Gott bestehen? Wer wird vor Gott bestehen? Nicht auszudenken die Qualen, die ein Mensch aushalten muss, wenn er sein Leben vor Gott verfehlt. Noch heute erhebt mancher drohend den Zeigefinger: „Pass auf! Gott sieht! Nichts bleibt ungestraft.“ Ich habe so manchen erlebt, der unter der Last des drohenden Gottes zerbrochen ist. Weg das Vertrauen. Gestorben die Hoffnung. Leer das Leben.

Evangelium – frohe, ermutigende, aufrichtende Botschaft sieht anders aus. Der Schöpfer des Engelspfeilers im Strasbourger Münster hat das verstanden. Sein Christus schaut barmherzig auf die Menschen, die zu ihm aufschauen. Ja, es gibt viel Leid, das das Leben der Menschen prägt. Menschen verfehlen das Leben. Sie werden Gott und einander nicht gerecht. Das zeigt seine Darstellung auch. Doch wer in dieser Not den Blick zu Christus erhebt, dem begegnet der, der selbst gelitten hat, der barmherzige und gnädige Gott.

Das Gericht ist damit nicht vom Tisch. Doch die Angst. Gott macht richtig, was in unserem Leben falsch ist. Darum geht es. Und das ist etwas ganz anderes als der drohende Zeigefinger, mit dem so mancher Gott verbindet.

Diese Erkenntnis im sogenannten dunklen Mittelalter – Gottes Barmherzigkeit hat zu jeder Zeit Menschen ergriffen. Staunend stehe ich davor. Wie ermutigend!

Wenn wir in diesem Jahr das 500jährige Jubiläum der Reformation feiern, dann feiern wir den barmherzigen Gott, der in Liebe auf uns schaut, der uns aufrichtet und nicht vernichtet.

Der Evangelist Johannes lässt es Jesus so in Worte fassen: „Denn das ist der Wille meines Vaters, dass, wer den Sohn sieht und glaubt an ihn, das ewige Leben habe.“  Joh. 6,40

Wegweisende Worte für unsere Lebensreise nicht nur im Sommer.

Steffi Stark (Pfarrerin)