„Lieber Gott, wie lange ist für dich ein Jahrtausend?" Gott: "Wie eine Sekunde." „Und – lieber Gott - wie viel ist für dich 1.000.000 €?" Gott: "Nur wie ein Cent." "Kannst du mir mal einen Cent schenken?" Gott: "Ja, warte mal ne Sekunde..."

Als Paulus seinen Bekannten und Freunden in Korinth einen langen Brief schreibt, beginnt er mit folgender Aussage: „Ihr seid in allem reich gemacht durch Gott.“ (1 Kor 1,5) Eine starke Behauptung. Sicherlich waren in Korinth auch einige sehr wohlhabende Personen Gemeindeglieder. Aber es gab auch Viele mit durchschnittlichem oder geringem Einkommen. Waren sie wirklich in „allem“ reich? Was werden die Sklaven gedacht haben, als sie diesen Satz gehört haben? Was wird den Frauen durch den Kopf gegangen sein, die als Witwen unter einfachsten Bedingungen leben mussten. Und auch die Wohlhabenden wussten: Besitz verlangt Verantwortung. Mir fehlt Zeit, Kraft, …

„Ihr seid in allem reich.“ Mir geht es wirklich nicht schlecht. Aber in allem reich – das ist doch etwas dick aufgetragen. Es gibt da schon offene Wünsche. Wie mag es da erst jemandem gehen, der materiell nicht so gut versorgt ist wie ich: Jemandem, der vielleicht durch die Krise schwer gebeutelt ist. Jemandem, der gesundheitlich deutliche Einschränkungen zu verkraften hat und deshalb auch materielle nicht gut dasteht. Jemandem, der mit seinem Besitz unter Druck steht. Sind sie tatsächlich in allem reich?

Das ist jedenfalls die Perspektive des Paulus. Er misst Reichtum nicht mit Zahlen. Seine Einheit ist nicht Euro oder Meter, nicht PS oder Kilogramm. Seine Einheit ist Gnade. Gnade meint: Du erlebst, dass Gott dir zugewandt ist. Und daraus schöpfst du deine gesamte Lebenskraft und Lebensfreude. Dies gilt für die Wohlhabenden, die sich unter dem Druck der Verantwortung manchmal wie Sklaven der Arbeit fühlen. Ihr seid reich, so sagt Paulus. Euer Wert und euer Glück hängen nicht an eurer Leistung. Ihr seid mit Wertschätzung und Liebe durch Gott regelrecht überschüttet. Und das gilt für die einfachen Sklaven: Alles, was ihr zum Leben bis in Ewigkeit braucht, bekommt ihr von Gott geschenkt. Und das ist mehr, als eine verbesserte Gehaltszahlung. Das Wort Gottes richtet euch mit Hoffnung und Lebensfreude auf. Euer Horizont wird geweitet, weil ich Jesus Christus erkennt. Und diese Erfahrung macht euch reich und getrost – gerade in schwierigen Situationen.

In der Zeit um Erntedank möchte ich Sie ermutigen, nicht die Dinge in den Blick zu nehmen, die tatsächlich mangelhaft sein mögen. Nehmen Sie in den Blick, was Sie von Gott geschenkt bekommen. Er gibt weit mehr als einen himmlischen Cent. Können Sie entdecken, worin Sie reich sind?

Tobias Frauenlob – Pfarrer im Haus der Hoffnung

Ev. Luth. Kirchgemeinde Annaberg-Buchholz

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